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Geldern erhält Innovationspreis für Digitalisierung - Prämie an zwei lokale Vereine weitergeleitet

Meldung vom: 05.01.2023

Eigentlich gab es bei diesem Termin nur Gewinner: Bei der Verleihung des Innovationspreises 2022 des Software-Unternehmens Axians Infoma in der Geldener „Villa von Eerde“ freuten sich nicht nur die Vertreter des Preisträgers Stadt Geldern, sondern auch Stefan Sommer und Rüdiger Fuchs vom „Förderverein der Klinik für Kinder und Jugendliche des Sankt Clemens Hospitals Geldern“ und Clemens Scholten vom Verein „Amani Kinderdorf“. Die mit der Auszeichnung verbundene Geldprämie von 5.000 Euro reichten Axians Infoma und die Stadt Geldern zu gleichen Teilen an beide Vereine weiter.

Zum zehnten Mal in Folge hatte der Ulmer Software- und Dienstleistungsspezialist den Innovationspreis für „vorbildliche und zukunftsorientierte kommunale Digitalisierungsprojekte“ ausgeschrieben.

Gelderner Bewerbung überzeugte schnell

Geschäftsführer Holger Schmelzeisen: „Die Bewerbung aus Geldern hatte eine Automatisierung des Versandes tausender Grundbesitzabgaben-Bescheide zum Inhalt und kam uns schon nach erster Durchsicht preisverdächtig vor. Bewertet wurden die Bewerbungen jedoch von Professor Dr. Jens Weiß von der Hochschule Harz.“ Über dessen Urteil durfte man sich im Gelderner Rathaus zu Recht freuen. Für Professor Weiß erfüllte die Stadt an der Niers mit ihrem umgesetzten Projekt alle Voraussetzungen für den ersten Preis. Die Gelderner Finanzverwaltung produziert und verschickt ihre Bescheide digital. Damit wurde, so Professor Weiß weiter, ein ressourcenintensiver Standardprozess durchgängig digitalisiert.

Auslöser aller Überlegungen in Geldern, so berichtete Stadtkämmerer Thomas Knorrek, war es einerseits, für Mitarbeitende im Homeoffice alle Arbeitsschritte zur Bescheidbearbeitung und –versendung von zu Hause aus zu erledigen. Andererseits suchte man nach einer Lösung, der zum Jahresbeginn aufkommende Terminenge zu begegnen.

Früher 17.000 gedruckte Bescheide verschickt

Marcel Schüren, Projektbeauftragter im Bereich Finanzen und Liegenschaften: „Wir müssen in jedem Jahr fristgerecht zum 15. Januar die Jahressteuerbescheide den Bürgern zustellen. Dieses Datum hängt mit dem gesetzlichen Fälligkeitstermin am 15. Februar zusammen. Aufgrund der Widerspruchsfrist müssen die Bürger die Bescheide einen Monat vorher in Händen halten,“ erklärte Marcel Schüren.
Bei einem Druckvolumen von etwa 17.000 Bescheiden mit bis zu vier Blatt Papier, die anschließend auch noch verpackt werden mussten, entstand in jedem Jahr ein hoher Arbeits- und Zeitdruck. Im gegenseitigen Austausch mit Axians Infoma brachte der neu entwickelte „Versand-Manager“ die Lösung. Er übernimmt den automatisierten Versand und kommuniziert ihn mit dem digitalen Zustelldienst E-Post Brief der Deutschen Post.

Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser: „Bevor wir dieses Verfahren einsetzen konnten, war der manuelle Aufwand sehr hoch. Heute laufen die technischen Mechanismen vollautomatisiert im Hintergrund. Anschließend erfolgen Drucken, Kuvertieren, Frankieren und Zustellen dann durch den Zustelldienst. Für uns auch deshalb ein großer Schritt in die Zukunft, weil unsere Arbeit nun auch aus dem Homeoffice möglich ist,“ so Sven Kaiser weiter.

Thomas Knorrek: „Ich finde diese Entwicklung auch deshalb spannend, weil wir durchaus jetzt prüfen könnten, ob wir das nicht gemeinsam mit anderen Kommunen erledigen könnten“, wagte der Stadtkämmerer einen Blick in die Zukunft.

Vereine sind dankbar für die Spende

Für Stefan Sommer, Vorsitzender des Fördervereins der Klinik für Kinder und Jugendliche des Sankt Clemens Hospitals Geldern, schon ein richtiger Schritt in der Gegenwart: „Wir sind sehr dankbar, dass wir vom Preisgeld profitieren. Wir können das Geld gut gebrauchen, denn wir verfolgen den Grundsatz: Für alles, was medizinisch erforderlich ist, damit die jungen Patienten gesunden, sorgt das Sankt Clemens Hospital. Für alles andere, was ebenfalls zur Genesung beiträgt, sorgen wir.“ Dazu, so Sommer weiter, gehöre beispielsweise die Einrichtung sogenannter Elternbetten, damit ein Elternteil bei der Behandlung im Krankenhaus übernachten kann. Oder auch der Dienst einer erfahrenen Erzieherin, damit eine Mutter mal eine Pause in der Betreuung bekommt, um einfach mal duschen zu gehen.

Für den vor rund 20 Jahren gegründeten Verein Amani Kinderdorf berichtete Clemens Scholten, man betreibe dort derzeit zwei Kinderdörfer für etwa 160 Kinder mit dem Ziel, ihnen liebevolle Geborgenheit zu geben und sie durch Bildung auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Man arbeite eng mit der tansanischen Leitung der Kinderdörfer zusammen. „Ich selbst war schon drei Mal vor Ort. Derzeit benötigen wir beispielsweise 16.000 Euro, um einen Klassenraum vom Fundament bis zum Dach zu errichten. Daher ist unser Verein auf breite Unterstützung angewiesen und ich bin sehr dankbar, dass man in Geldern bei der Prämie für den Innovationspreis an uns gedacht hat“, freute sich Clemens Scholten.