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Entwicklungsgeschichte des Niersparks

Luftbild mit Markierung des ProjektbereichesBahnflächen zur Stadt machen

Seit 2008 wird die Umnutzung des ehemaligen Güterbahnhofes im Sinne einer Konversion (Flächenrecycling) betrieben. Die Gesamtfläche des städtebaulichen Entwicklungsgebietes umfasst etwa 44 Hektar. Entstanden ist ein neues Stadtquartier mit der Qualität des Wohnens zur freien Landschaft und als innenstadtnaher Standort für Gewerbe und Dienstleistungen entlang der Bahn.

Von 2006 bis 2008 sind verschiedene städtebauliche Studien parallel beauftragt worden, um die grundsätzliche Machbarkeit des gesamten Projektes zu prüfen. Daraus resultierend wurden die Beschlüsse zur Umsetzung des Projektes „Bahnflächen zur Stadt machen" (Entwicklung des Niersparks) in Eigenregie der Stadt Geldern getroffen.

Ein Strukturkonzept auf Basis eines städtebaulichen Wettbewerbs wurde prämiert und in die weitere Umsetzung gebracht.
Im Jahre 2009 wurde zu revitalisierende Gebiet im Nierspark als Sanierungsgebiet festgesetzt.

Finanzamt und Polizei

Der Architektenwettbewerb für die Neubauten des Finanzamtes und der Polizei wurde erfolgreich abgeschlossen. Ab 2009/2010 wurden die Neubauten von Finanzamt und Polizei als sogenannte Ankernutzungen realisiert mit einer Fertigstellung in 2011. Modern, lichtdurchflutet und offen präsentieren sich die Gebäude im Nierspark.

Stadt Land Fluss - Infrastrukturelle Einbindung

Der Nierspark liegt sehr zentral. Eine kurze Anbindung an die nächsten Bundesstraßen 9 und 58 war bereits vorhanden. Vom Nierspark aus ist in zwei Gehminuten auf der einen Seite der Bahnhof/Busbahnhof zu erreichen und in fünf Gehminuten der zentrale Marktplatz und auf der anderen Seite in zwei Gehminuten die freie Landschaft mit der Niers als zentralen Bezugspunkt. Alle Schulformen und Kindergärten liegen in einem Radius von maximal 1,5 km, ebenso wie alle zentralen Versorgungseinrichtungen (Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, und so weiter).

Erschließung

Mittels Straßen- und Kanalbaumaßnahmen wurden vom Herbst 2009 bis zum Herbst 2010 die zentralen Achsen des Gebiets so ausgebaut, dass die Qualitäten des Areals möglichst früh erkennbar wurden. Die Straße „Am Güterbahnhof" wurde von der Burgstraße bis zur Polizeistation zur Haupterschließungsstraße ausgebaut. In einem zweiten Abschnitt wurde diese Haupterschließungsstraße bis zur Straße „Am Holländersee" erweitert. Die aus der Innenstadt kommende Bahnhofstraße wurde über das Bindeglied Unterführung hinaus in die Stadt-Landschaftsspange übergeleitet - mit dem zentralen Platz nördlich des Finanzamtes (Niersforum) sowie des anschließenden wassergeprägten Grünraums, der in die Niersaue führt (Stadt-Landschaftsspange). Die Unterführung stellt die schnelle Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen dem Nierspark und der Innenstadt her.

Exkurs Unterführung und Niersforum

Der Neubau der Bahnunterführung wurde 2010 fertiggestellt und das Niersforum als zentraler Platz auf der westlichen Seite der Bahn wurde im Jahre 2012 eingeweiht. Der städtebaulichen Konzeption liegt die Idee einer Doppelplatzanlage beiderseits der Bahn zugrunde. Die sich großzügig zu beiden Seiten öffnende neue Unterführung bildet das ‚Scharnier' der Anlage. Fußgänger, Behinderte und Radfahrer werden in der weithin einsehbaren Treppen-/ Rampenanlage gemeinsam nach unten geführt. Auf der Ostseite entstand unter Einbeziehung vorhandener Verkehrsflächen eine kompakte radiale Rampenanlage mit einem zentralen Treppensegment. Auf der Westseite entstand eine rechteckige Treppen-/ Rampenanlage, die in eine neue Platzanlage führt. Die Bahnsteige des Bahnhofs Geldern sind durch zur Bahn parallel angelegte Treppen unmittelbar an die untere Ebene der Unterführung angebunden. Eine anspruchsvolle Architektur und eine integrierte Lichtkonzeption (Lichtwände mit farbiger LED-Steuerung im Tunnelbereich) lassen die Nutzer die Stadtteilverbindung auch nachts als angenehm empfinden.

Das Lichtkonzept der Unterführung Bahnhof Geldern erschließt sich einerseits aus den angrenzenden Platzbereichen, setzt im Bereich des Tunnels einen besonderen Akzent und ergänzt im Rampenbereich die Lichtwirkung mit einer indirekten und breit strahlenden neutralen Grundbeleuchtung.

Die oberen Platzflächen werden mit Lichtstelen in einer Höhe von 5 Metern beleuchtet. Diese Beleuchtung setzt sich auf der Westseite in das Niersforum vor dem Finanzamt fort.

In der Treppen- und Rampenanlage Ost wie West sind jeweils zwei Mastleuchten als technische Indirekt-Leuchten mit Doppel-Ausleger und einer in etwa mit der Lichtstele identischen Lichtpunkthöhe ausgeführt. Diese Mastleuchten sorgen für eine gute und gleichmäßige Ausleuchtung der gesamten Treppen- und Rampenanlage. Im Bereich der Bahnsteigtreppen wird beidseitig durch integrierte Handlaufleuchten ein zusätzlicher Akzent gesetzt und lichttechnisch der Übergang zu der sehr hellen Bahnsteigbeleuchtung hergestellt.

Ein Blickfang ist die mit LED-Leuchten farbig hinterleuchtete Profilglaswand der seitlichen Tunnelwände und beiderseits bzw. oberhalb der Tunnelöffnung. Mit farbig wechselnden Akzenten können hier tageszeitlich und jahreszeitlich unterschiedlichen Stimmungen erzeugt werden. Eine zusätzliche weiße Grundbeleuchtung des Tunneldurchganges ist in Form von Punktstrahlern so in die Betondecke integriert, dass eine Überlagerung bzw. Störung der Lichtwände ausgeschlossen ist.

Strukturkonzept mit Leitidee

Das städtebauliche Konzept für den Nierspark sieht eine verdichtete Bebauung entlang der zentralen Nord-Süd Haupterschließungsstraße vor mit entsprechendem maximal 3-geschossigem, qualitativ hochwertigen Geschosswohnungsbau Auf den Wohnbaugrundstücken ist überwiegend eine Einfamilienhausbebauung vorzufinden mit einer Vielfalt unterschiedlicher Gebäudetypen (freistehende Einfamilienhäuser, teilweise verdichtet). Unterschiedliche Grundstücksgrößen, von 400 bis ca. 1.000 m2 wurden angeboten. Die Erschließung der Grundstücke wurde durch begrünte Wohnstraßen realisiert, die sich platzartig zur freien Landschaft hin aufweiten. Fuß- und Radwegevernetzungen bildeten einer weiteren Planungsansatz im Strukturkonzept die mit der Realisierung der einzelnen Bauabschnitte umgesetzt wurden.

Vermarktung in zwei Abschnitten

Zunächst wurde der nördliche Teilbereich erschlossen und vermarktet. Der zuständige Ausschuss für die Entwicklung des Bahnhofumfeldes (mittlerweile Ausschuss für die Entwicklung des Niersparks) des Rates der Stadt Geldern hat im Oktober 2008 nach Beratung der städtebaulichen Ziele einerseits sowie der wirtschaftlichen Auswirkungen des Projekts andererseits beschlossen, einen ersten Teilbereich zu entwickeln und zu vermarkten (27 von insgesamt 44 ha).

Zwischenzeitlich wurden alle notwendigen Beschlüsse zum Grunderwerb und zu den wesentlichen infrastrukturellen Aspekten gefasst, so dass entsprechende Bau- und Realisierungsabschnitte - und damit auch Vermarktungseinheiten - gebildet werden konnten. So wurden seit 2011 die ersten Grundstücke im ersten Bauabschnitt gegenüberliegend der Gebäude des Finanzamtes und der Polizei vermarktet. Die Grundstücke im ersten Bauabschnitt waren bis 2014 restlos verkauft.

Parallel wurde die Bauleitplanung für den 2. Bauabschnitt (13.2.1 und 13.2.2) und den 3. Bauabschnitt (13.3) im Jahre 2013 beschlossen und seitdem werden die Grundstücke des 2. Bauabschnittes vermarktet, mit der Besonderheit der Realisierung einer Klimaschutzsiedlung im Bereich des Bauabschnittes 13.2.1. Der Status einer Klimaschutzsiedlung ist vom Land NRW vergeben worden, mit dem Anspruch, dass innerhalb dieser Siedlung bestimmte energetische und städtebauliche Anforderung erfüllt werden müssen. Auf der anderen Seite erhalten die Bauherren zusätzliche Fördermittel für die Umsetzung. Weitere Information finden Sie auf der Seite „Bauen für die Zukunft". Der Status der „Klimaschutzsiedlung" wurde nach Antrag der Stadt Geldern durch das Land NRW im Jahre 2012 verliehen.

Neubau Berufskolleg und weitere Entwicklungen

Im Jahre 2014 wurde der Grundstein für den Neubau des Berufskollegs des Kreises Kleve auf einem Großteil der Flächen entlang der Bahn und südlich der Polizei gelegt.

Bis 2014 wurden die Lagerhallen der RWZ und der Standort des Stanzwerks Pilz, beides nördlich des Niersforums abgerissen und die Flächen revitalisiert. Als nördliche Begrenzung des Niersforums wird ein Seniorenzentrum entstehen. Im Erdgeschoss wird ein öffentliches Cafe mit einer Außengastronomie seinen Platz finden. Nördlich davon wird eine gemeinnützige Einrichtung ein Gebäude für Büronutzungen und als Kindertageseinrichtung errichten. Weitere konkrete Pläne für die Nutzungen der restlichen Flächen nördlich des Niersforums liegen vor.

Exkurs Konversion

In einem ersten Schritt wurde der zentrale Bereich der ehemaligen Bahnflächen von Schienen, Schwellen und Schotter befreit.

Im Rahmen der so genannten Baufeldfreimachung wurde ein Großteil des ehemaligen Güterbahnhofs Geldern von den bahnspezifischen Anlagen (neben den Gleisen auch überirdische Elemente wie Weichen, Signale, Leuchten) befreit. Im Bereich ehemaliger Bahnflächen stellte die fundierte Freimachung zum Zwecke der neuerlichen Bebauung deshalb eine besondere Herausforderung dar, weil ein über zahlreiche Jahrzehnte aufgebautes Leitungsnetz unterschiedlicher Funktion auf dem weitläufigen Areal existierte, ohne dass die genaue Lage und aktuelle Erforderlichkeit des jeweiligen Kabels bzw. Kabelkanals in jedem Fall geklärt war.

In Geldern kamen noch eine militärische Verladerampe samt der entsprechend solide ausgebauten Zufahrt (inklusive dort von der Bahn abgelagertem Gleisschotterhaufen) sowie das Gebäude der ehemaligen Güterabfertigung hinzu, das mehrere Jahrzehnte bereits als Lagerfläche für landwirtschaftliche Hilfsstoffe genutzt wurde.

Die Schienen und Schwellen wurden zum Teil am Stück ausgebaut und der Wiederverwendung zugeführt. Der mannigfach vorhandene Metallschrott wurde größtenteils recycelt. Das massenmäßig größte Recyclingpotential liegt jedoch im Boden. Neben dem Gleisschotter, der sich für die weitere Verwendung im Straßenbau durchaus eignet, stellten die mächtigen Auffüllungen, die zu Zeiten des Eisenbahnbaus dazu dienten, die Flächen aus der Niersebene anzuheben und damit trocken und tragfähig zu machen, ein Potential dar, das es chemisch und auch bauphysikalisch zu analysieren galt, um seine Verwendungsfähigkeit zu überprüfen.

Die grundsätzlich geeigneten Aushubmassen wurden zusammen mit den entsprechenden Gebäudeabbruchmaterialien in ein Zwischenlager verbracht, dort aufbereitet (Brechen und Sieben) und zu materialspezifischen Mieten aufgeschüttet, um sie zweckentsprechend wiederverwenden zu können.

Im Herbst 2009 ist ein weiterer Streifen, der im Wesentlichen die verbliebenen Gleise 6 und 7 umfasst, freigemacht worden. Die Arbeiten, die sich in einem schmalen Band von Nord nach Süd entlang der dauerhaft verbleibenden Gleise 1 und 2 erstreckten, wurden Mitte November 2009 fertiggestellt.

Diese Zweiteilung war erforderlich, weil die Gleise 6 und 7 bis zu Beginn der Konversionsarbeiten noch bahnbetrieblich benötigt wurden.
Als dritter und letzter Abschnitt der Baufeldfreimachung erfolgte ab 2011 der Bereich des so genannten Sonderlagers im südlichen Abschnitt der Bahnflächen.

Für weitere Fragen und Anregungen stehen Ihnen unsere Ansprechpartner zur Verfügung.